Mittelständler befürworten Ehrenkodex in der Krise


Die derzeitige Wirtschaftskrise birgt nicht nur die unmittelbare Gefahr von Umsatzverlusten und Liquiditätsengpässen. Mittelständler befürchten auch spürbare und langfristige Schäden, wenn innerhalb der Belegschaft Ängste vorherrschen. Das ergab eine Umfrage der compamedia GmbH unter den Geschäftsführern und Personalverantwortlichen von ca. 3.500 mittelständischen Unternehmen. Demnach sind Know-how-Verlust durch die Abwanderung der wertvollsten Mitarbeiter, hohe Kosten durch ineffizientes Arbeiten sowie Qualitätseinbußen bei Produkten und Services die Spitzenreiter unter den befürchteten Folgeschäden. Als geeignete Gegenstrategien sieht der Mittelstand vorwiegend eine verstärkte Kommunikation und eine absolute Transparenz. Die meisten Befragten befürworten darüber hinaus einen Ehrenkodex, in welchem sie sich zu fairem Verhalten gegenüber ihren Mitarbeitern auch in Krisenzeiten verpflichten. Der Ausrichter des Arbeitgeberwettbewerbes „Top Job“ reagiert auf die Umfrage und integriert die Unterzeichnung eines Ehrenkodexes in das Auswahlverfahren um einen Platz unter den 100 besten Arbeitgebern im Mittelstand.

Am meisten fürchten die Befragten als Folge einer Verunsicherung das Abwandern wertvoller Mitarbeiter und den damit einhergehenden Know-how-Verlust (48 Prozent). Ein Schaden, der sich auch nach einer überstandenen Wirtschaftskrise weiterhin und vielleicht sogar noch gravierender auswirken wird – ähnlich wie der von den Befragten befürchtete Innovationsstau aufgrund fehlender oder unmotivierter Mitarbeiter (26,9 Prozent). Langfristige Auswirkungen hat auch die Beeinträchtigung des Arbeitgeberimages – dass die Rekrutierungskosten dadurch steigen werden, befürchten 11,5 Prozent.
Zu den unmittelbaren Auswirkungen zählen Fehler, informelle Gespräche, Taktieren und sonstige Effizienzhemmer in der täglichen Arbeit. 35 Prozent der Befragten kalkulieren hier Kosten ein. Ebenfalls etwa ein Drittel der Umfrageteilnehmer rechnet mit Qualitätseinbußen bei Produkten und Services. Angst macht womöglich krank – 16 Prozent sehen Nachteile durch einen erhöhten Krankenstand. Lediglich 7,2 Prozent sehen keine Gefahr für ihr Unternehmen.
Die geeigneten Gegenmaßnahmen scheinen eindeutig: In unsicheren Zeiten schlägt die Stunde der Kommunikation, Transparenz und Information. „Verstärkte Information über Krisenstrategien und Maßnahmen“ rangiert auf Platz eins; 96 Prozent der Befragten halten dies für eine geeignete Maßnahme. 81,9 Prozent setzen sie nach eigenen Angaben im Unternehmen auch um. Mehr als zwei Drittel führen zusätzliche Mitarbeitergespräche durch.
Demonstrative Sparmaßnahmen auf der obersten Führungsebene – beispielsweise bei Gehalt, Statussymbolen und Komfort – halten zwar fast 73 Prozent für geeignet. Aber nur 32,3 Prozent kürzen in diesem Bereich bereits. Eine ähnliche Diskrepanz zeigt das krisenspezifische Führungskräftetraining: Fast 80 Prozent halten es für ein probates Mittel, aber nur 21 Prozent schulen entsprechend.
Einen Ehrenkodex, der zu einem fairen Umgang mit den Mitarbeitern auch in Krisenzeiten verpflichtet, halten die meisten für eine geeignete vertrauensbildende Maßnahme (81 Prozent). Mehr als die Hälfte (58 Prozent) hält einen Kodex im Falle von Kurzarbeit und Stellenabbau für hilfreich – sei es intern als Begleitung der Maßnahmen oder extern zur Vorbeugung eines Imageschadens. Explizit zu einem Ehrenkodex befragt, sind sich die Verantwortlichen im Mittelstand einig: 76,5 Prozent der befragten Unternehmer und Personaler würden einen solchen Ehrenkodex unterzeichnen. Die meisten sind der Meinung, in einem solchen Kodex muss die Aussage stehen: „Stellenabbau ist für uns kein legitimes Mittel zu Gewinnmaximierung, sondern nur dann akzeptabel, wenn es zur Sicherung der unternehmerischen Zukunft unumgänglich wird“ (72,2 Prozent). Einigkeit herrscht auch darin, dass jeder gute Arbeitgeber sich einem solchen Kodex unterwerfen müsse (69,4 Prozent). Es ist aber nicht nur eine Frage der Ehre: Direkte betriebswirtschaftliche Vorteile in einem solchen Bekenntnis zu verantwortungsvollem Wirtschaften sehen 51,1 Prozent der Befragten.
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